Aktien-Depot - Börse für Einsteiger

Aktien-Depot - Börse, Aktien, Fonts & Co

Aktien-Depot - Lexikon der Börse

Leerverkauf
 

Bei einem Leerverkauf versucht der Verkäufer von einem erwarteten Kursverfall eines Wertpapiers zu profitieren. Er verkauft jetzt Papiere, die er (noch) nicht besitzt und hofft, diese in der Zukunft preiswerter zurückkaufen zu können.

Verfahren bei Aktien
Zunächst werden Aktien aus einem anderen Depot geliehen (Wertpapierleihe). Der Verleiher hat dazu einen Vertrag mit einem Kommissionär oder dem Leerverkäufer, dass bestimmte Aktien ausgeliehen werden können. Der Leerverkäufer zahlt hierfür einen festgelegten Zins an den Verleiher und erhält Wertpapiere. Diese verkauft er über die Börse. Fällt der Kurs tatsächlich, erfolgt der Rückkauf zum niedrigeren Kurs und anschließend eine Rückgabe der Aktien. Der Kursunterschied abzüglich Kosten macht den Gewinn. Bei anderer Entwicklung des Aktienkurses können entsprechende Verluste auftreten. Hier muß sich der Leerverkäufer zu gestiegenen Kursen wieder an der Börse eindecken, um die geliehenen Aktien zurückgeben zu können.

Der Ausdruck Leerverkauf bezieht sich damit immer nur auf den Depotbestand des Verkäufers. Es können nur Aktien verkauft werden, die bei einem Anleger im Depot liegen.

Leerverkäufe sind eine gängige Strategie bei Hedgefonds, die durch einen erheblichen Kapitaleinsatz die Aktienkurse eines einzelnen Wertes erheblich unter Druck bringen können. Diese spekulative Kursbeeinflussung wird in der öffentlichen Meinung stark kritisiert.

Beispiel (ohne Steuern und Spesen)
Die Aktien der Test AG werden aktuell an der Börse mit einem Kurs von EUR 100,-- je Anteilsschein gehandelt. Eine große Versicherung besitzt 1.000 Stück dieser Aktien und hat auch nicht vor sie in nächster Zeit zu verkaufen würde aber gern einen Zusatzertrag mit diesen Aktien erwirtschaften.

Die Versicherung macht das Angebot ihre Test AG Aktien für die Dauer von 6 Monaten gegen eine Leihgebühr von 5% an einen Spekulanten (Short-Seller) zu verleihen und sie findet auch jemanden (mit entsprechender Bonität) der in dieses Geschäft einsteigt.

Der Spekulant bezahlt an die Versicherung die Leihgebühr von EUR 5.000 und erhält dafür das Verfügungsrecht über die 1.000 Stück Test AG Aktien, die er in Erwartung sinkender Kurse auch sofort verkauft.

Ergebnis für die Versicherung:
Unabhängig vom Kursverlauf der Aktie hat sie einen (zusätzlichen) Ertrag von EUR 5.000 erwirtschaftet.
Ergebnis für den Spekulanten:
Der Kurs der Aktie fällt bis zum Rückgabezeitpunkt um 10% auf EUR 90. Er kann somit die 1.000 Stück Test AG Aktien um EUR 90.000 zurückkaufen (und an die Versicherung zurückgeben) die er ursprünglich um EUR 100.000 verkauft hat. Der Spekulant macht dadurch einen Gewinn von EUR 5.000 (10.000 Kursgewinn – 5.000 Leihgebühr). Bezogen auf seinen anfänglichen Kapitaleinsatz von EUR 5.000 für die Leihgebühr bedeutet das einen Gewinn von 100% bei einer Kursänderung der Aktie von nur 10%.

Der Kurs der Aktie ist zum Rückgabezeitpunkt gleich hoch wie zum Verkaufszeitpunkt. Der Spekulant kauft 1.000 Aktien der Test AG um EUR 100.000 um sie an die Versicherung zurückzugeben. Der Spekulant macht einen Verlust von EUR 5.000. Bezogen auf seinen anfänglichen Kapitaleinsatz von EUR 5.000 für die Leihgebühr bedeutet das einen Verlust von 100% bei gleichbleibendem Aktienkurs.

Der Kurs der Aktie steigt bis zum Rückgabezeitpunkt um 10% auf EUR 110. Er muß somit die 1.000 Stück Test AG Aktien um EUR 110.000 zurückkaufen (und an die Versicherung zurückgeben) die er ursprünglich um EUR 100.000 verkauft hat. Der Spekulant macht einen Verlust von EUR 15.000. Bezogen auf seinen anfänglichen Kapitaleinsatz von EUR 5.000 für die Leihgebühr bedeutet das einen Verlust von 300% bei einer Kursänderung der Aktie von nur 10%.

Verfahren bei Optionen und/oder Futures
Hier trifft der Leerverkäufer im Vorfeld eine Vereinbarung mit seiner Bank oder Broker. Diese Vereinbarung umfasst die Einrichtung einer sog. Margin, d.h. einer Art Kreditlimit. Wenn er Optionen/Futures leerverkauft, wird am Ende jeden Tages ein theoretischer Maximalverlust für den nächsten Tag errechnet. Übersteigt dieser das eingerichtete Marginlimit, muss der Leerverkäufer seine Optionen/Futures verkaufen bzw. Geld bei der Bank nachschießen.

Dieser Artikel basiert auf einem Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

 

zurück zur Lexikon-Übersicht                                                                                  zurück zur Startseite

Aktien-Lexikon - alles zum Thema Börse | Börsen- + Aktien-Literatur | Die Börsen der Welt | Impressum