| Eine Option bezeichnet in der Wirtschaft
eine bestimmte Form eines Derivates.
Eine Option ist ein bedingtes Termingeschäft.
Der Käufer erwirbt
das Recht, hat aber nicht die Pflicht,
während eines festgelegten Zeitraums (Kontraktlaufzeit, Lebenszeit),
eine bestimmte Menge eines Gutes (Basiswert, underlying oder underlying
asset)
zu einem im Voraus festgelegten Preis (Strike-Preis)
zu kaufen (Call-Option)
oder zu verkaufen (Put-Option).
Der Verkäufer (auch Stillhalter, Schreiber, Zeichner) erhält
den Kaufpreis der Option und hat im Falle der Ausübung die Verpflichtung
den Basiswert zum vorher bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen.
Im Jahre 1973 veröffentlichten die amerikanischen Wissenschaftler
Fischer Black und Myron Scholes fast zeitgleich mit Robert C. Merton
in zwei unabhängigen Artikeln Methoden zur exakten Bestimmung des „wahren“ Wertes
einer Option. Scholes und Merton erhielten 1997 den Nobelpreis "für
eine neue Methode zur Bestimmung des Wertes von Derivaten".
Optionen werden nicht nur in der Finanzwelt, sondern zunehmend auch
bei Managemententscheidungen als sogenannte Realoptionen eingesetzt.
Taxonomie verschiedener Optionen
Prinzipiell unterscheidet man amerikanische und europäische Optionen.
Im Unterschied zu europäischen können amerikanische Optionen
an jedem Zeitpunkt während ihrer Laufzeit ausgeübt werden. Dies
beeinflusst den Wert der Option, beispielsweise durch das Vorhandensein
von Dividenden
im Falle von Aktienoptionen, und macht amerikanische Optionen teurer als
eine europäische Option mit exakt den gleichen Kennzeichen.
Aus diesen beiden Grundformen, den plain vanilla options, können
beliebig viele Optionen erstellt werden. Nichtstandardisierte Optionstypen
nennt man exotische
Optionen. Dazu gehören unter unzähligen anderen capped options,
rainbow options, asian options und compound options.
Mehr Informationen zu exotischen Optionen bietet der englische Artikel
zum Thema.
Handel
Eine Option ist zunächst ein individueller Vertrag zwischen dem Optionsnehmer
und dem Optionsgeber Stillhalter. Sie ist als solche frei gestaltbar.
Der größte Teil des weltweiten Handels mit Optionen besteht
jedoch aus standardisierten Kontrakten,
die an Terminbörsen
wie der EUREX in
Europa oder der CBOT (engl.) in den USA gehandelt werden. Dadurch ist
garantiert, dass auf geläufige Basiswerte wie Aktien des S&P
500 (engl.) oder des DAX und Rohstoffe wie Öl jederzeit Liquidität
für eine große Anzahl an Optionen mit verschiedenen Laufzeiten
und Ausübungspreisen
besteht.
Optionsscheine sehen oftmals nicht den Verkauf oder Kauf tatsächlicher
Basisgüter am Laufzeitende vor, sondern nur den Wertausgleich, wenn
dieser Kauf oder Verkauf zum Verfallstermin stattgefunden hätte.
Dies nennt man Barausgleich
(englisch Cash Settlement). Das liegt daran, dass Optionen meistens für
die Absicherung anderer Finanzpositionen benutzt werden Hedging oder der
Käufer bzw. Verkäufer sich nur die Hebelwirkung zu Nutze machen
will. Falls ein Barausgleich nicht möglich ist wird die Position
vor Laufzeitende 'glattgestellt'. Der Schreiber (Stillhalter) eines Calls
kauft beispielsweise rechtzeitig den Call zurück, um sich so der
Verpflichtung zur Lieferung des Basiswertes zu entziehen.
Optionen und Optionsscheine bilden die Grundlage vieler Anlageprodukte
wie beispielsweise von Optionsanleihen (englisch Warrants) oder Swaptions.
Um zum Handel an den Terminboersen (z.B. EUREX) zugelassen zu werden,
ist daher oft ein Kapitalnachweise bei der Bank notwendig. Ebenso sind
Banken verpflichtet auf die hohen Risiken von Optionen hinzuweisen.
Basiswerte
An den Finanzmärkten können Optionen auf folgende Basiswerte
gehandelt werden
Aktien
Indizes
ausländische Währungen
Anleihen (Zins-Optionsscheine verhalten sich bei Call und Put umgekehrt.
Mit einem Zins-Call profitiert man von fallenden Kapitalmarktzinsen,
da das steigende Anleihenkurse bedeutet.)
Rohstoffe
Nahrungsmittel
elektrischer Strom
Wetter
Für den geregelten Handel mit Optionen ist es Voraussetzung, dass
die Basiswerte an liquiden Märkten gehandelt werden, um jederzeit
den Wert der Option ermitteln zu können. Im Prinzip ist es jedoch
auch möglich, dass der Basiswert beliebig gewählt werden kann,
solange es möglich ist die in Abschnitt 6.1 beschriebenen nötigen
Variablen zu bestimmen. Diese Derivate werden hingegen nur von zugelassenen
Händlern wie Investmentbanken oder Brokern
over the counter im OTC-Handel angeboten.
Begriffe:
Im Geld
Im Geld (englisch in the money) bezeichnet eine Option, bei der der
aktuelle Kurs besser ist als der Strike-Preis. Der Betrag, um den der
aktuelle
Kurs besser ist als der Strike-Preis, nennt man Inneren Wert der Option.
Im Geld bedeutet für eine Call-Option, dass der Marktpreis des
Underlyings höher ist als der Strike-Preis.
Eine Put-Option ist dagegen im Geld, wenn der Marktpreis des Underlyings
unter dem Strike-Preis liegt.
Aus dem Geld
Aus dem Geld (englisch out of the money) ist eine Option die keinen
inneren Wert besitzt.
Eine Call-Option ist aus dem Geld, wenn der Marktpreis des Underlyings
kleiner als der Strike-Preis ist.
Eine Put-Option ist aus dem Geld, wenn der Marktpreis des Underlyings
größer als der Strike-Preis ist.
Am Geld
Eine Option ist am Geld (englisch at the money), wenn der Marktpreis
des Underlyings gleich oder nahezu gleich dem Strike-Preis ist.
Wird der Strike-Preis dabei mit dem Kassakurs verglichen, so spricht
man von at-the-money-spot. Wird der Strike mit dem laufzeitgleichen Terminkurs
verglichen, so spricht man von at-the-money-forward.
Sensitivitäten und Kennzahlen
Delta
Das Delta einer Option gibt an, wie stark sich der theoretische Wert
der Option ändert, wenn sich der Kurs des Basiswerts um eine Einheit ändert
und alle anderen Größen konstant bleiben. Für Call-Optionen
ist das Delta positiv, für Put-Optionen ist es negativ. Das Delta
ist eine wichtige Kennzahl für das Delta-Hedging.
Gamma
Das Gamma einer Option gibt an, wie stark sich das Delta des Optionsscheins ändert
wenn sich der Kurs des Basiswerts um eine Einheit ändert und alle
anderen Größen sich nicht verändern.
Theta
Das Theta einer Option gibt an, wie stark sich ihr theoretischer Wert ändert,
wenn sich die Restlaufzeit um einen Tag ändert. Da sich die Restlaufzeit
in aller Regel verkürzt, ist Theta zumeist negativ.
Vega
Das Vega (manchmal auch Kappa) einer Option gibt an, wie stark sich der
Wert der Option ändert, wenn sich die Volatilität des Basiswerts
um einen Prozentpunkt ändert.
Rho
Das Rho einer Option gibt an, wie stark sich der Wert der Option ändert,
wenn sich der risikofreie Zinssatz am Markt um einen Prozentpunkt ändert.
Hebel
Der Hebel wird errechnet,
indem man den aktuellen Kurs des Basiswerts durch den aktuellen Preis
des Optionsscheins dividiert. Bezieht sich der Optionsschein auf ein Vielfaches
oder einen Bruchteil des Basiswerts, muss dieser Faktor in der Rechnung
entsprechend berücksichtigt werden.
Bewertung: Einflussgrößen
Die folgenden sechs Faktoren haben einen Einfluss auf den Preis einer
Option:
der aktuelle Preis des Basiswerts
der Ausübungspreis
die Volatilität des Basiswerts
die Restlaufzeit bis zum Ausübungsdatum
Der risikofreie Zinssatz am Markt
erwartete Dividendenzahlungen innerhalb der Lebenszeit
Der aktuelle Preis des Basiswertes und der Ausübungspreis bestimmen
den inneren Wert der Option. Der innere Wert ist die Differenz zwischen
dem Ausübungspreis und dem Preis des Basiswertes. Im Falle eines
Calls auf einen Basiswert mit einem augenblicklichen Wert von 100,- € und
einem Ausübungspreis von 90,- € ist der innere Wert 10,- €.
Im Falle eines Puts ist der innere Wert dieser Option 0.
Insbesondere die Volatilität hat einen großen Einfluss auf
den Wert der Option. Je stärker der Preis schwankt, umso höher
ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Wert des Basiswertes stark
verändert und damit der innere Wert der Option steigt oder sinkt.
In der Regel gilt, dass eine höhere Volatilität einen positiven
Einfluss auf den Wert der Option hat. In extremen Grenzfällen kann
es sich jedoch genau umgekehrt verhalten.
Die Restlaufzeit beeinflusst den Wert der Option ähnlich wie die
Volatilität. Je mehr Zeit bis zum Ausübungsdatum vorhanden ist,
um so höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der innere Wert
der Option ändert. Ein Teil des Wertes der Option besteht aus diesem
Zeitwert. Es ist theoretisch möglich den Zeitwert zu berechnen, indem
man zwei Optionen vergleicht, die sich nur durch ihre Laufzeit unterscheiden
und ansonsten identisch sind. Dies setzt aber den unrealistischen Fall
eines nahezu vollkommenen Kapitalmarkts
voraus.
Der Anstieg des risikofreien Zinssatzes hat einen positiven Effekt auf
den Wert von Kaufoptionen und einen negativen Effekt auf den Wert von
Verkaufsoptionen, weil nach den gängigen Bewertungsmethoden (siehe
Optionspreis) unsinnigerweise die Wahrscheinlichkeit eines Kurs- oder
Wertanstiegs des Basisguts an den risikofreien Zinssatz gekoppelt ist.
Dividendenzahlungen im Falle von Optionen auf Aktien haben negativen
Einfluss auf den Wert einer Kaufoption im Vergleich zur selben Aktie
bei Dividendenlosigkeit, da während der Optionshaltedauer auf Dividenden
verzichtet wird, die theoretisch durch Ausübung der Option vereinnahmt
werden können. Umgekehrt haben sie im Vergleich zur selben dividendenlosen
Aktie einen positiven Einfluss auf den Wert einer Verkaufsoption, weil
während der Optionshaltedauer noch Dividenden vereinnahmt werden
können, die bei sofortiger Ausübung dem Optionsinhaber zuständen.
Im Falle von Optionen auf Währungen oder Rohstoffe wird der zugrunde
liegende Zinssatz der Währung oder die 'convenience yield' anstelle
von Dividenden verwendet.
Asymmetrischer Gewinn und Verlust
Im Falle einer für ihn nachteiligen Entwicklung im Preis des Basiswertes
wird der Besitzer der Option sein Recht nicht ausüben und die Option
verfallen lassen. Er verliert damit maximal den Optionspreis - d.h. er
realisiert einen Totalverlust! - hat aber die Möglichkeit auf einen
unbegrenzten Gewinn bei Kaufoptionen. Dies bedeutet, dass die möglichen
Verluste des Verkäufers bei Kaufoptionen unbegrenzt sind. Allerdings
könnte man diesen Verlust auch als 'entgangenen Gewinn' (gedeckter
Short-Call) betrachten, es sei denn, der Verkäufer der Kaufoption
ist nicht im Besitz des sogenannten 'Underlyings' (muß also zur
Erfüllung kaufen und dann liefern - ungedeckter Verkauf einer Kaufoption,
sprich ungedeckter Short-Call!).
Berechnung des Optionspreises
Prinzipiell ist es möglich die stochastischen Prozesse, welche den
Preis des Basiswertes bestimmen, auf unterschiedliche Weise zu modellieren.
Man kann diese Prozesse analytisch zeitkontinuierlich mit Differentialgleichungen
und analytisch zeitdiskret mit Binomialbäumen abbilden. Eine nichtanalytische
Lösung ist durch Zukunftssimulationen möglich.
Das bekannteste analytisch zeitkontinuierliche Modell ist das Modell
von Black und Scholes. Das bekannteste analytisch zeitdiskrete Modell
ist das Modell von Cox, Ross und Rubinstein. Eine gängige Simulationsmethode
ist die Monte-Carlo-Simulation.
Wertgrenzen
Eine Call-Option kann nicht mehr wert sein als der Basiswert. Angenommen,
Basiswert kostet heute 80,- €. Es bietet jemand eine Option, den
Basiswert in einem Jahr für 50,- € zu kaufen. Für diese
Option will er aber 90,- €. Niemand würde diese Option kaufen
wollen, weil der Basiswert selbst billiger zu haben ist. Eine Put-Option
kann nicht mehr wert sein als der Barwert des Ausübungspreises.
Niemand würde für das Recht etwas für 80,- € verkaufen
zu dürfen mehr als 80,- € ausgeben. Finanzmathematisch korrekt
müssen diese 80,- € noch auf heutige Euros abgezinst werden.
Diese Wertgrenzen sind der Ausgangspunkt zur Bestimmung des Wertes
einer europäischen Option, die Put-Call Parität (engl.).
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